IN EXTREMO – Wolkenschieber (CD/LP)

Review

IN EXTREMO

Wolkenschieber (CD/LP)

Genre
CD
Label
Vertigo / Universal Music
Datum
27.09.2024
Autor
Karsten Conform
8 /10

Die Zeit hinterlässt Spuren und man entwickelt sich (hoffentlich) weiter. Mal zum guten, mal zum schlechten. Und während ich vor 20-25 Jahren die Songs von IN EXTREMO von der ersten Sekunde abgefeiert habe, dauert es bei mir nun mehrere Durchläufe ihrer neuen Platte „Wolkenschieber“, bis der Funke langsam überspringt.

Ja, mein Musikgeschmack hat sich vor allem in den letzten Jahren zum härteren hin entwickelt, trotzdem feiere ich die alten IN EXTREMO Songs wie „Erdbeermund“, „Küss mich“, „Rasend Herz“, „Raue See“, „Liam“, „Frei zu sein“, „Herr Mannelig“ oder „Vollmond“ immer noch so ab wie vor 20-25 Jahren. Aber auch die halb so alten Songs wie „Feuertaufe“, „Sternhagelvoll“ oder „Störtebeker“ gefallen mir damals wie heute. Ihr Mittelalter-Rock küsste mich bei Vollmond während einer Feuertaufe bei rauer See, mit seinen Erdbeermund und einem Störtebeker in der Hand. Wir waren zusammen mit Herrn Mannelig und Liam, Sternhagelvoll und mein Herz raste dabei.

Aber auch  IN EXTREMO hat sich weiterentwickelt und so ist „Wolkenschieber“ ein Rockalbum geworden, wie es im Handmade Rockbuch steht. Natürlich mit deutlich hörbaren Mittelalterklängen, aber eben anders als die früheren Gassenhauer-Alben. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen und brauchte somit etwas länger bis die 14 Songs zu mir durchgedrungen sind.

Inzwischen erwische ich mich aber selbst beim Mitsingen der Texte, ein gutes Zeichen, das die Songs bei mir angekommen sind. Und das fängt dann auch schon beim ersten Song „Wolkenschieber“ an, geht über „Weckt die Toten“ bei dem Henry Rauhbein von RAUHBEIN, IN EXTREMO Frontmann Micha „Das Letzte Einhorn“ Rhein gesanglich unterstützt.

Mit „Katzengold“ richtet sich IN EXTREMO gegen alle Hetzer, Spalter, Verschwörungsanhänger, Populisten und sonstige homophoben Idioten. Der Song bezieht sich sicherlich auch auf den ehemaligen siebten IN EXTREMO Boris Pfeiffer, der bekanntlich abgedriftet ist und inzwischen leider verstorben ist. Nun geht´s zu sechst weiter, wobei ich einen siebten Musikant mit einem mittelalterlichen Instrumente schon etwas vermisse.    

„Ólafurist ein alter isländisch Song / Text und Albert, der Halb-Isländer war so freundlich und hat den Text mal übersetzt. Wie zu erwarten, geht es um echte Männer, Zusammenstehen, Biertrinken und einen sehr langen Weg. Die Winter sind eben lang auf Island. Einige lateinischen Wörter gibt`s bei „Unser Lied“ zu hören, dazu viel „oh oh oh ohhooo“. Mit dabei Björn Both von SANTIANO und beim folgenden Song „Feine Seele“ Oliver Pade von FAUN. Bei dem Song gibt´s auch mal mehr Mittelaltermucke incl. `ner Geige als Rockmucke. Was sich nicht geändert hat ist die Gewissheit, das bis auf diese wenigen Ausnahmen, alle Songs auf „Wolkenschieber“ deutsche Texte haben.

Und mit Gastsängern geht`s auch fröhlich weiter. Bei „Des Wahnsinns fette Beute“ ist Joachim Witt kurz zu hören. Und dann wieder „oh oh oh ohhooo“. Vielleicht sollte man die Songs statt 4½ Minuten um `ne Minute kürzen, dann kann man auch auf die ausgiebigen Refrains und „oh oh oh ohhooos“ verzichten.
Das Sprichwort „Geschenkt ist geschenkt“ (wiederholen ist gestohlen) kennt wohl jeder und der ist nun vertont. Fällt mir :-)

Hatte ich grade etwas von Gastsängern geschrieben ? KELLY FAMILY kennt ihr ? Beim zehnten Song „Aus Leben gemacht“ sind Joey und Jimmy Kelly zu hören (irgendwo im Hintergrund?). Ja beide Bands haben schon gewissen Parallelitäten, das kann man nicht abstreiten.
Richtig ruhig geht´s mit „Terra Mater“ (oh Latein) auf das Ende des Albums zu.

Und dann kommen die zwei Bonustracks und da gefällt mir vor allem „Schweine“, in dem es um arroganten (Rechts-) Populisten geht, die von einem Land in dem Wein und Honig fließen, heucheln.

53 Minuten IN EXTREMO sind um und „Wolkenschieber“ startet nun zum zehnten Mal (ungefähr). Und jedes Mal gefällt mir das Album etwas besser :-)

Bilder 1 Bild
In Extremo 24 2 credit Robert Eikelpoth
In Extremo 24 2 credit Robert Eikelpoth

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