STROM – ZWISCHEN DEN STÜHLEN

Review

STROM

ZWISCHEN DEN STÜHLEN

Genre
CD
Label
R.E.F.F. Records
Datum
11.01.2010
Autor
Frank
4 /10

STROM aus Berlin waren vor ein paar Jahren zumindest in der Hauptstadt eine nicht unbekannte Größe geworden. Das lag daran, dass die Band mit Sabine eine traumhafte Drummerin am Start hatte. Technisch einfach brillant. Es lag aber auch am charismatischen Sänger Highko, der nicht nur auf der Bühne absolut Gas gab, sondern auch von einem gewissen Rudi Schenker eine Flying V geschenkt bekommen hat. Wie schafft man das? Nun, durch Penetranz und durch einen Song “Flying V“. Super Promo hat die Band damals bekommen und waren ein Tipp in der Szene.

Lange war es ruhig um die Band. Drummerin Sabine ist ausgestiegen, Ersatz wurde gefunden, Highko fand andere Bands, bei denen er als Tourmusiker unterwegs war. Jetzt aber ist das zweite Album fertig, es hört auf den Namen “Zwischen den Stühlen“. Dreizehn Songs wurden im Studio von Tom Schwoll ( u.a. Gitarre bei DIE SKEPTIKER ) eingespielt.

Das Album hat eine klarere Struktur als das Vorgängeralbum “Nr. 1“. Der Sound ist eine Mischung aus sehr poppigen Punkrock, 80er Jahre Punk, als Punk noch Punk und 16-Spur-Aufnahmen ein Luxus waren und Deutschrock. Die Band hat den Titel schon richtig gewählt. Mit dem Sound sitzen sie zwischen den Stühlen. Die Songs sind textlich zwar leicht bekömmlich aber schon dann und wann schwer zu verdauen. Die Strukturen sind oft einfach. Reime sind häufig, aber manchmal fragt man sich, was Highko mit den Texten ausdrücken will. Das fängt schon beim ersten Song “Liebeskummer am 1. Mai“ an, der nur fragmentarisch über den Autoverkehr am 1. Mai in Kreuzberg handelt. Mehr friedlich als kämpferisch. Mehr künstlerisch als realistisch. Nicht verkopft aber irgendwie sind die Texte nicht immer leicht greifbar, und so fällt eine Einordnung schwer. Was macht die Band genau?

Was will sie einem sagen? Und wenn dann noch Songs wie “Wir sprechen deutsch“ zu hören sind, dann frag ich mich, ist das Satire oder ernst gemeint. Man bleibt im Unklaren.

Es ist nicht leicht, das Album zu hören, auch wenn einige Songs durchaus Hitpotenzial haben, wie z.B. “An der Bar“, “Pfoten Weg“, “Paul“ oder“Leck mich“. Der Refrain ist fantastisch. Werde ich Morgen auf Arbeit gleich mal ausprobieren.

Insgesamt hinterlässt die Scheibe einen sehr zwiespältigen Eindruck, den sie auch nach mehrmaligem Hören nicht verliert. Bei dieser Scheibe ist der Name tatsächlich Programm.

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