Ninamarie – Feuer in der Nachbarschaft

Review

Ninamarie

Feuer in der Nachbarschaft

Genre
Sonstiges
Label
Rookie Records
Datum
18.02.2013
Autor
belabeimer
9 /10

Wäre Ninamarie eine Frau, würde ich sie sehr gerne kennen lernen. Bei der knisternden Erotik mit der sie daher kommt, möchte man mit ihr mehr als nur eine Silvester-Nacht verbringen.

Da ist sie nun die neue EP "Feuer in der Nachbarschaft" und das erste Mal seit 2006 erblickte nach einer gemeinsamen Nacht endlich wieder mehr, als nur ein Single-Kind, die Welt. Doch da hier Qualität und Quantität Geburtshelfer waren, macht dieser Sechsling sehr großen Spaß.

Erst einmal freut es mich, dass es Thomas wieder besser geht und er seinen Unfall wieder hörbar überstanden hat.

Thomas Götz (Beatsteaks) und Marten Ebsen (Turbostaat) zaubern rohe Diamanten aus dem Hut und machen mit "Hochzeitsgeschenk" einen fast schon popigen Anfang. Wenn man Vergleiche aufstellen kann/darf dann höre ich hier eine Prise "Superpunk". Der Song wäre mein Favorit für den diesjährigen ESC - Grand Prix im Malmö gewesen, wo man als Gitarren-Band allerdings eher schlechtere Chancen hat, wie das Beispiel wieder zeigen durfte. Aber was wäre das für ein Zeichen, mit einem Refrain dorthin zu reisen der einem "Gib auf, gib auf!" entgegen schreit?

Beim Song "Leichen zu Cocktails" merkt man ein wenig warum diese Band existiert. Den Song kann ich mir irgendwie von keinen der beiden Hauptbands vorstellen und doch erinnert er an frühe Turbostaat, vom Gefühl den der Text transportiert. Ich hoffe, dass man mir jetzt kein Nekrophiles-Gedankengut zuschreibt...

Danach die Instrumental-Nummer "Süßafrika". Für Jethro Tull-Fans sicherlich ein Muss :) Leider kann ich in diesem Kontext nur wenig damit anfangen, was nicht einmal an der Ethno-Querflöte liegt. Diese Nummern find ich schon bei Turbostaat teilweise schwierig, weil ich für meinen Teil, in einer ganz anderen Stimmung bin, wenn ich solch eine Platte höre und eine Instrumental-Nummer mir ein anderes Gefühl vermittelt, als ich grade haben möchte und ein Bruch verursacht.

Die Nummer "Der Ortsoberste" leidet darunter ein wenig, da sie nicht wieder anknüpfen kann. Vielleicht liegt es aber auch an den 80er Jahren Keyboards, die ein wenig an die Editors erinnert.

Wenn ich hier schon beim Vergleichen bin, hört man beim nächsten Song "33 Runden", durch den angereichten Frauen-gesang, eine Priese "Huah!" heraus, welche in den frühen 90er ihr Unwesen trieb.

Und da sind wir leider schon, viel zu früh, beim letzten Stück "Der Fucking Kommandeur". Dieser kommt mit einer tiefen Dunkelheit und Beklemmtheit daher, wo es mir schwer fällt die Gefühle in Worte zu fassen. Der Beipackzettel beschreibt es als "Geradlinige Aufrichtigkeit im unversöhnlich sein mit denen, die an früheren Konsens appellieren, wo immer schon nur Dissens war". Auf jeden Fall ein Stück was zum Nachdenken anregt, so wie es eigentlich immer sein sollte...

Ninamarie erinnert mich an schöne, geliebte Stationen meiner Vergangenheit. Wie an eine alte Freundin die man nach Jahren wieder trifft und merkt, das sie noch schöner geworden ist.

Und als die letzten Töne verklungen waren, änderte ich meinen Facebook Status auf "Bela Beimer gefällt Ninamarie"

"Feuer in der Nachbarschaft" erlodert am 15.03.2013 als 12“ + Downloadcode bei Rookie Records im Vertrieb von Cargo Records. Wer schnell ist, hat zusätzlich die Chance auf eins von 300 Stück limitiertes Vinyl

// Noch keine Kommentare — schreib den ersten!

Kommentar schreiben

Max. 2.000 Zeichen

☆ STAY LOUD ☆