Trainwreck – Old Departures, New Beginnings

Review

Trainwreck

Old Departures, New Beginnings

Genre
LP
Label
Rockstar Records/ This Charming Man Records
Datum
19.06.2014
Autor
King Kraut
8 /10
Heiliger Dampfkessel, das nenne ich brachial. Hardcorer aus Aachen und Umgebung kommen ohnehin nicht an Trainwreck vorbei, die in der Gegend auch schon in Vorgängerbands seit über einem Jahrzehnt aus der Musikrichtung alles rausklopfen, was sie hergibt. Da ich insbesondere von neuerem und neuestem Hardcore ohnehin nur die paar Säulenheiligen kenne, will ich anstelle von Fachjargon einfach mal grob beschreiben, wie mich die Band beschreit: Nämlich brutal. Und total. Das klingt in etwa, als wäre der Sänger ständig am Überschnappen, seine Welt auf der Kippe, nichts wäre wie es sein soll, und da würde ich vermutlich auch so abgehen. Von dem sind keine leisen Zwischentöne zu erwarten, wobei das ohnehin bei solcher Musik leicht in die Hose gehen kann, wenn nämlich die erhoffte Dramatik ins lächerliche umschlägt. Das hier rockt ganz ordentlich, also weitermachen. Neben den englischsprachigen Songtexten gibt es auf dem Inlay übrigens noch Anmerkungen des Verfassers über den Kontext, was ich ganz sinnvoll finde, da ich mich so besser in diese extremen Emotionen einfühlen kann. Sonst bekommt man manchmal nur einen Brocken Zorn vorgekotzt und weiß nichts rechtes damit anzufangen.

Was die Band dazu fabriziert ist vertrackter Hardcore in unterschiedlichen Geschwindigkeiten, der fast immer entweder den Zuhörer zerdrückt oder durchschüttelt, ihn dann in einer scharfen Kurve wieder fast entgleisen lässt und unverhofft eine beinahe punkrockige Melodie einbaut. Man sollte sich keine Hoffnung machen, dass man diese mehr als ein paar Sekunden genießen kann, aber es macht die Songs deutlich hörbarer, wenn instrumental nicht nur Verzweiflung und Wut, sondern auch mal Melancholie zum Ausdruck kommt. Für den inneren Emo sozusagen.

Die ganzen 11 Songs sind dann auch relativ schnell durch, wobei ich nie das Gefühl hatte, dass da ein Riff länger geschunden wird, als nötig wäre, um gut reinzubrettern. Selbst die zwei über 4-Minütigen Stücke wirken nicht gestreckt. Es passiert durchgehend viel auf dem Album. Wenn es durch ist, kann man nach einer kleinen Atempause gleich wieder von vorne die Lok in den Abgrund rasen lassen. Ein hartes Stück Musik für den privaten Crash auf dem Plattenteller, ohne Schnickschnack und gekonnt durchgezogen.

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