
„Going Down“ ist nach meiner Rechnung die dritte Veröffentlichung der Band aus, äh, irgendwas zwischen Aachen und Lüttich, und hat auch exakt drei Stücke. Ein ungewöhnliches Format finde ich schon einmal nicht verkehrt. Was man aktuell zu sagen oder spielen hat richtet sich nicht unbedingt nach der maximalen Spielzeit des Mediums. In diesem Fall ist das eine Sythie-Punk-Mischung, wo mir als Vergleich am ehesten PIL einfiele. Wobei in diesem Fall nicht so geil ungebremst der Fuck-You-Fucktor* durchgezogen wird wie auf der ersten EP. Bands, die sich nur wiederholen, können aber meiner Meinung nach sowieso irgendwann mal aufhören, weil es dann langweilig wird, und hier wird nun eine andere Stimmung umgesetzt. Ich musste beim ersten Stück „The City“ komischerweise an Iggy Pop's „The Passenger“ denken. Weniger von der Musik her, sondern eher, weil ich mich hier als Hörer auch wie ein aus dem Abseits blickender mitten in der Stadt fühle. Eine latente Spannung zieht sich durch bis zum letzten Stück. Genial finde ich natürlich nach wie vor des Sängers (pseudo-?)britischen Akzent, der dem ganzen einen altmodischen Insel-Charme verleiht, als käme es tatsächlich aus den frühen 80ern. Dazu ist der Sound so minimalistisch und frei von Schnickschnack, dass es eine Freude ist. In sich ist diese Maxi also stimmig, mir fehlt dennoch der Drive, mit dem die Band sich einst in mein Herz spielte. Als erfolgreiches Experiment geht das hier trotzdem durch.
Das hier richtet sich übrigens ausschließlich an Plattenfans. Alle digitalen Menschen mögen sich die nackten Töne hier reinziehen, für die Zielgruppe gibt es ein schön gestaltetes Produkt, und limitierte Variantcover für die Superkunden – keine Ahnung, ob die noch zu kriegen sind, aber wenn, dann nicht mehr lange.
*Von mir patentierte Maßeinheit für Punkigkeit.
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