Swingin' Utters – Fistful of Hollow

Review

Swingin' Utters

Fistful of Hollow

Genre
CD
Label
Fat Wreck Chords
Datum
12.01.2015
Autor
King Kraut
7 /10
So kann man sich irren! Ich hatte die SWINGIN' UTTERS immer im typischen 90er-Jahre Fat Wreck-Sound veortet, da sie immer wieder mal auf Samplern zusammen mit NO USE FOR A NAME, NOFX & Co auftauchten. Mit denen haben sie aber allenfalls einen mitten-lastigen Gitarrensound gemein, und die Heimat, Kalifornien. Vielmehr fühlte ich mich gleich beim ersten Song von „Fistful of Hollow“ nach England teleportiert. So ein Stück wie „Alice“ hätten auch die UK SUBS schreiben können. Auch andere klassische britische Punkbands laufen bestimmt mal bei den Schwingenden im Tourbus, so erinnert mich der eine oder andere Track an PUBLIC IMAGE LTD. oder BUZZCOCKS. Nun aber genug mit zu kurz gegriffenen Vergleichen, es sollte ungefähr klar sein, in welche Richtung es geht.

Die fünfzehn Stücke sind zumeist reduziert auf einfachen Punkrock der alten Schule, keine Prahlerei an den Instrumenten, keine Soundspielereien. Wobei, das Ausfaden eines Songs habe ich auch schon lange nicht mehr gehört, aber das war es dann schon. Die Gitarren nicht übermäßig verzerrt, der Gesang nicht übermäßig im Vordergrund. Trotzdem hat der Klang etwas eigenes, raumfüllendes, durch das er interessant bleibt. Rockt! Rohe Stücke wechseln sich mit hübschen Melodien ab, ohne kitschig zu werden. Das heißt, wo eine typische amerikanische Post-BLINK 182-Band einen Melodiebogen mit einem idealen Akkord aus der Pop-Song-Fibel abrunden, tun dies die SWINGIN' UTTERS nicht. Eher kehren sie wieder an den Anfang ihrer drei Akkorde zurück, was in mir als verweichlichten Hörer zunächst ein Gefühl der Unzufriedenheit hinterlässt. Letztlich ist es aber genau das, was den Songs Charakter verleiht. Eine Kante, an der man sich reibt, mehr als Zucker, der in den Gehörgängen klebenbleibt. Diese Platte springt den Hörer nicht auf Anhieb an, dafür ist sie nicht plakativ genug. Dafür entwickeln die durchgehen gut geschriebenen Stücke von Mal zu Mal mehr ihren eigenen Reiz. Solche Überraschungen machen Spaß!

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