Schluss mit Lustik – Spaß beiseite

Review

Schluss mit Lustik

Spaß beiseite

Genre
CD
Label
True Trash Records
Datum
28.01.2015
Autor
King Kraut
6 /10
Die Jugendclubs und Autonomen Zentren bleiben beständige Brutstätten einer Jugendkultur, die sich schon lange nicht mehr jung nennen darf. Wochenende für Wochenende versammeln sich hier desorientierte Teenager, die ihr Leben noch vor sich haben und doch schon nicht wissen, wohin mit ihrer Energie, ihrem Sextrieb und ihrer Lebenslust. In sinnloser Suche nach Antworten finden sie einen sozial akzeptierten Einstieg in den Alkoholismus und ein Ventil für ihr übersteigertes Mitteilungsbedürfnis. Dann und wann finden gestandene Punk-Kapellen ihren Weg in diese Biotope, auf der Ochsentour unterwegs hinauf zu kurzlebigem Ruhm. Wenn sie ihre Zelte abbrechen, um weitere Provinznester zu belustigen, bleibt aber die Vorband da. Die Vorband, das ist ein ungestümer Haufen von Halbstarken, die unangefochtenen Könige auf diesem Hügel. Sie werden auch nächstes Wochenende für ihre Clique hier auftreten, und übernächstes, so lange, bis sie entweder auch überregional Erfolg haben oder nach erfolgreichem Schulabschluss ihr Glück in der Ferne suchen. Und das Feld ihren jüngeren Geschwistern überlassen.

Ich muss ehrlicherweise gestehen, dass ich nicht weiß, ob ich da bei SCHLUSS MIT LUSTIK richtig liege, aber so hören sie sich an. Muss ich noch viel über die Musik schreiben? Mindestens jeder zweite von uns hat so eine ähnliche als erste Band gehabt. Die meisten verhallen ungehört. Wenn es also zu der Aufnahme einer CD kommt, kauft sie Euch! Ihr legt den Grundstein für die nächste Generation. Diese Band macht nichts, was man nicht schon ähnlich gehört hätte, sie probiert sich noch aus, aber das macht sie gar nicht mal schlecht. Im Grunde orientiert man sich an den zahllosen Vorbildern des Deutschpunk, es geht ums Saufen, um kindischen (oft unlustiken) Humor, um Individualismus vs. gesellschaftlichen Mainstream. Sowohl akustische Passagen als auch Reggae und gar ein ordentlich gerappter Part finden ihren Weg unter die Handvoll Songs. Und dazu ist das noch ein Werbesong für ein (mittlerweile leider eingestelltes) soziales Projekt – Top!
Das eine oder andere Break sitzt noch nicht ganz, die Texte klingen wie an einem Wochenende zusammengeschrieben, trotzdem merkt man der Band den großen Spaß an der Sache an, und das macht ihren Charme aus. So unbeschwert gehen die später nie wieder an die Sache ran, also auf die Bühne und Freibier für alle!

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