
Zum Hintergrund der Band kann man sagen, dass sie viel herumgekommen sind, unter anderem mit RAISED FIST, SICK OF IT ALL und PEARL JAM auf Tournee waren, nur mir waren sie neu. Wobei, diesen Bandnamen hätte ich mir vermutlich selbst dann nicht merken können, wenn sie auf meinem eigenen Geburtstag gespielt hätten.
Damit wären wir gleich bei einem herausragenden Merkmal, dem durchgehend auf Baskisch gehaltenen Gesang. Das ist ungewohnt und zugleich eine willkommene Abwechslung zu den überwiegend in den gleichen wenigen Sprachen singenden Bands, mit denen ich sonst mein Gehör kaputtmache. Welche Art von radikalem Statement es heutzutage noch bedeutet, auf baskisch zu singen, kann ich schwer beurteilen. Wenn die Band vor 20 Jahren damit begonnen hat, haben die Mitglieder aber auf jeden Fall Zeiten des Staatsterrorismus und der Unterdrückung ihrer Kultur miterlebt, die für eine solche Entscheidung bedeutsam sein können. Dankenswerterweise habe ich auch eine Übersetzung ins Englische vorliegen, wodurch ich bei sorgfältigem parallelem Lesen und Hören verstehen kann, worum es geht. Kurz gefasst: Gesellschaftskritik, poetisch aufbereitet. Große Begriffe wie Freiheit und Zusammenhalt durchziehen die Texte, die abstrakt genug sind, dass sie Spielraum für eigene Interpretationen lassen.*
Aber wie ist denn überhaupt die Musik? Das kann, nein, muss man für jede CD einzeln beantworten. Da wäre zunächst also die erste Runde: Krachiger Rock mit Stoner-Einflüssen, Metal-Schreddern an den Gitarren, Hardcore-Tempo und überraschenden Wendungen im Songaufbau. Ja, all das durcheinander, und man merkt BERRI TXARRAK den Spaß an, aus einem manischem Riff noch ein kleines Bisschen mehr rauszuholen. Der Gesang ist etwas gewöhnungsbedürftig, für das hier gebotene ist er mir zu glatt und nimmt dadurch manchem potentiellen Rock-Brecher etwas von seiner Wildheit.
Danach empfehle ich eine kleine Pause, denn CD Nummer zwei könnte von einer anderen Band stammen. Einer Indie-Rock-Band. Hier nehmen sich die Musiker deutlich zurück, was Gitarrenwände angeht, und baut stattdessen unspektakuläre, aber hübsche Melodien und pathetische Refrains zusammen. An dieser Stellewäre es sicher von Vorteil gewesen, baskisch zu verstehen, denn über den Umweg einer Übersetzung lässt sich die mitreißende Stimmung eines Chores über Sinnsuche in einer verlogenen Welt nicht vermitteln. Diese CD hat mir nicht so gut gefallen, weil die Band im Vergleich zu den beiden anderen Scheiben sehr auf die Bremse tritt. Schön finde ich die Momente, wo sich BERRI TXARRAK an nahezu powerpoppige Refrains wagen, aber diese bleiben wenige in den eher belanglosen Liedern. Diesmal passt aber wenigstens der Gesang besser zum Gesamtbild.
Aller guten Dinge und so weiter, bei der letzte Produktion gibt es überwiegend relativ schlichten Punkrock im modernen Soundgewand. Einfache Melodien, mal flott nach vorne gepeitscht, mal auf der mittleren Spur. Das kennt man so ähnlich vor allem von nordamerikanischen Bands, das geht gut rein und wird sich zwischen dutzenden fast genauso klingenden Kapellen weiterhin gut als Opener auf Tourneen machen. Nicht spektakulär, trotzdem gute Songs. Vor allem wenn man konzentriert bis hierhin gehört hat, genießt man das altvertraute Rezept aus vier Akkorden. Gerade die letzte Platte wirkt übrigens so, als hätte der Produzent den Basken einfach den Sound einer seiner sonstigen Kunden übergestülpt – dabei hätten diese es nicht nötig.
Dieses Tripel-Album ist beinahe wie drei CDs von unterschiedlichen Bands. Entsprechend gibt es für verschiedene Vorlieben etwas darin, und gleichzeitig ist es unwahrscheinlich, dass einem Hörer aus dieser Masse an Musik alles gleichermaßen gefällt. Ich finde den stilistischen Spagat originell, gewagt, aber gelungen. Es gibt mehr als reichlich gute Songs und es dürfte besonders interessant werden, wie die Band die Synthese aus ihren verschiedenen Stilen bei einem Konzert bewerkstelligt. Und weil Ramtatta sich dem turbokapitalistischen Leistungsprinzip verpflichtet sieht, gibt es von mir zum Abschluß noch eine völlig unterkomplexe Bewertung von 7 Punkten. Die Vorzüge von „Denbora da poligrafo bakarra“ möge man obigem Text entnehmen oder sich selbst ein Bild machen.
*P.S.: Bis jetzt sind die Übersetzungen nicht im Internetz zugänglich, ein Umstand, der hoffentlich behoben wird.



