
Vier sympathische Gesichter aus Luzern, die hier unter dem Namen COLD READING ihren Emo abfeiern. „Emo“ – habe ich das wirklich eben geschrieben? Als würde gute Musik etwas anderes tun, als Emotionen zu vermitteln. Ich benutze einfach mal trotzdem diese dumme Genrebezeichnung aus den 90ern, die später noch für Kajal-Teenies und einen Gothic Hello Kittie Style vermarktet wurde. Heute und hier geht es aber um Songs über persönliche Befindlichkeiten, um vielstimmig gerufene Harmonien über verspielte Rhytmiken. Am Schluß hätte ich noch Indie-Rock-Geklampfe schreiben können, tu ich aber nicht. Ups.
Ein leise geklimpertes Gitarren-Intro eröffnet die Platte, darüber verhaltener, aber gefühlvoller Gesang. Dann auf einen Schlag die ganze Band, ein Ausbruch in langsam gerockten Downstrokes mit mehrstimmigen Harmonien. Wieder einen Gang heruntergeschaltet, die Band spielt nun das Intro mit und ruft die Backgroundgesänge mit. Langgezogene Vokale und Lyrik (in English, of course) über Hoffnung und Enttäuschung, Freundschaft und Verlust, alles ganz solide soweit. Der zweite Song. Wieder eine Wellenbewegung, leise nach laut nach leise nach laut, und immer oben drauf diese Stimme in einer relativ hohen Tonlage, gestützt von den Kumpels. Für den Schuss Dramatik im Refrain.
Ich habe mir das Album bestimmt sechsmal angehört und wusste jedes Mal irgendwann nicht mehr, bei welchem Song ich war. Einer davon reicht aus, um zu wissen, worum es geht. Zwei reichen aus, um die gesamte stilistische Palette des Albums abzubilden. Klar, sie spielen gut, man merkt auch, dass COLD READING als Einheit im Proberaum und auf der Bühne funktionieren müssen, um so sauber strukturierte Songs und Übergänge zu machen. Aha, vielleicht daher der Albumtitel. Mit zu vielen Wechseln macht man sich leider auch mal ein Bisschen den Groove kaputt. Jedenfalls, eh das Album bei mir zündet, ist das Pulver schon verschossen. Schade, denn es gibt hier gute Riffs, gute Ideen und eine Band, die Spaß an der Sache hat. Trotzdem. Klingt zu gewollt, um zu überzeugen.



