
Der Einstieg ist dezent, aber schon die ersten Töne lösen in mir eine Regung aus, wie es nur diese wunderbaren melancholischen Rocksongs können. Dafür gibt es sicher eine musikwissenschaftliche Erklärung – ich fühle Sehnsucht, sehe Landstraßen, sehe unwiederbringliche Momente, die das Leben bedeuten. Die Songs bleiben trotzdem trocken, nicht verstopft mit dem Pathos der Schmalzkanone. Das kann man live so spielen, und hörbar tut die Band nichts lieber als das. Der Gesang klingt rotzig, aber nicht in pseudopunkiger Weise kaputt. In den besten Momenten kommen noch passend arrangierte Gastmusiker hinzu, mit Bläsern, Banjo (Joe Raposo von RKL und Lagwagon) und Cello. Und dann gibt es die Momente, wo oben drauf eine verzerrte Gitarre ihre elektrisierenden Töne hinzugibt. Wenn die restliche Zeit alles nur akustisch war, entfaltet sich dieser Sound besonders wirksam.
Was haben GET DEAD also richtig gemacht? Sie haben zunächst ein Händchen für das Songwriting. Kein Lied auf dieser Platte klingt wie das andere, und somit wurde schon gleich die erste Klippe umschifft, die stilistische Schublade. Klar gibt es hier mal einen offensichtlichen Country-Song, oder Mike Ness steht mit seinen Solo-Sachen unüberhörbar Pate. Über die Albumlänge hinweg gibt es aber kein offensichtliches Schema F, nach dem die Band operiert.
Was noch absolut stimmt ist das Arrangement. Es klingt nie nach zu wenig, nie nach zuviel. Eigentlich hat man in diesem akustischen Ensemble aber sehr viel versteckt, was den Hörer aber nicht anspringt, sondern sich erst bei aktivem Hinhören offenbart.
Insgesamt finde ich die erste Hälfte der Stücke besser, wenn es das also als einseitig bespielte Schallplatte gäbe, empfiehl ich diese. So wie es aussieht, gibt es aber nur das Komplettpaket, und da ist neben reichlich Perlen auch kein schlechter Song drauf.



