
Wenn man die Oberfläche verlässt, was bleibt dann? Ein erstaunlich selbstgewisser Mix, meist aus Sprechgesang und Punkrock. Der Wechsel gelingt nahtlos, und so gibt es immer entweder Instrumental was zu feiern oder einen Text von SWISS über SWISS und wie er die Welt sieht. Im Vergleich zum Vorgängeralbum hat man sich stilistisch weiter vom Hip Hop entfernt. Ein besonders technischer Rapper war der Frontmann ohnehin nicht, stattdessen passt seine näselnde Punkerstimme mal erzählend, mal mit simplen Mitsing-Refrains, immer gut zum Feeling. Den Kontrast fühlt man, als einmal ein Gast mitrappt: Der Mann ist mit seinem übertighten Groove noch fest im Hip Hop, während SWISS & DIE ANDERN schon ein eigenes Ding drehen.
Und diese Musik ist vielseitig. Wütend, traurig, lustig, selbst die Outlaw-Balladen nimmt man SWISS & DIE ANDERN ab. Gerade die Momente, wo ersterer sich abseits von kindischer Prahlerei eine Blöße gibt, von seinen Zweifeln und Qualen spricht, sind mit die stärksten auf dem Album. Und obwohl der Mann mit seinen Reimen und seiner Person im Zentrum steht, gehört die Band eigentlich mindestens genauso nach vorne im Bandnamen. Jeder weiß hier genau, was er mit seinem Instrument machen kann, tritt im passenden Moment nach vorne, um dann den Rest der Zeit für ein rundes Gesamtbild zu Sorgen. Dank einer amtlich geordneten Produktion kommen auch die unterschiedlichen Stimmungen gut zur Geltung, ob es mal poppig oder mit dem geklauten RAGE AGAINST THE MACHINE-Riff hergeht: So souverän kann nicht jeder zwischen Stilen springen. Es entsteht eine sehr eigene Art von Musik, die mehr als nur die Summe einzelner Genres ist. Hier stecken Können, Mut und Spielfreude drin.
Eine faszinierende Band: Sie macht manches falsch, aber doch das Wesentliche grundrichtig. Der Sänger bringt es fertig, mal den Nagel textlich auf den Kopf zu treffen, mal ehrlich mitreißend Gefühle zu äußern, und mal Zeilen wie aus dem Poesiealbum eines Teenagers aneinanderzukloppen, dass man sich an den Kopf packt. Das Image laviert zwischen aufgeblasen-elitär und punkig-inklusiv. Und doch: Die Band hat ein eigenes Spielfeld, zusammengesetzt aus verschiedenen erstklassigen Elementen, auf dem sie sich präzise und sicher bewegt. Die Songs sind vielseitig und einfallsreich, und wahrscheinlich bleiben sie mir deshalb tagelang im Ohr hängen. Hier ist eine gut funktionierende musikalische Gang am Werke, und daher bleibe ich gespannt, was noch aus ihrer Richtung kommen wird. Crossover bebt!
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