ALARMSIGNAL gibt es jetzt mittlerweile auch ein Vierteljahrhundert.
Puh, das ist viel und im deutschsprachigen Punkrock oder Deutschpunk ist die Halbwertzeit von vielen Bands nach 25 Jahren bereits überschritten.
ALARMSIGNAL gehen weiter, unbeirrbar ihren Weg und bringen mit “Insomnia“ ihr neuntes Album heraus.
Als ich von der Veröffentlichung hörte und sah wie der ganze Spaß präsentiert wird, musste ich an Fahnenflucht denken. Diese haben am 13.09.2024 ihr neues Album veröffentlicht und die Farben gelb und schwarz hierfür in den Vordergrund gesetzt.
Bei ALARMSIGNAL ist das interessanterweise auch so. Gleiches Label, gleicher Auftritt?
Nun ist das hier keine vergleichende Studie dieser beiden sehr wichtigen Punkbands, aber es fällt eben auf.
Was beim Hören von “Insomnia“ ebenso auffällt ist die Änderung des Sounds. Es gibt mehr Gitarrenwände. Man könnte auch sagen es ist noisiger oder vielleicht sogar, man verzeihe mir die Anmerkung, in gewisser Weise festivaltauglicher.
In den kleinen Clubs in denen ALARMSIGNAL früher gespielt hat, spielt die Band schon lange nicht mehr. Das ist eine Entwicklung, die auch durchaus anzuerkennen ist und die zeigt, dass die Band relevant für die Szene, für die Menschen ist.
Apropos Menschen. Diese spielen auf “Insomnia“ eine große Rolle.
Sei es die herzzerreißende Geschichte von “Rest your Eyes“ oder der Blick von oben auf die Stadt und ihre Menschen, wie z.B. auf “Neonlicht“ oder der Umgang mit sich selber in dieser kalten, herzlosen, hoffnungslosen Welt wie z.B. in “Dystopia“ oder “Scherbe Licht“.
Was ich sehr positiv finde, weil im deutschsprachigen Punkrock eher selten zu finden, sind zwei Lieder über Tiere und unserem Umgang mit diesen. Es wird “Laika“ (der wohl berühmteste Hund der Geschichte) besungen und es gibt mit “Nichts sehen, nichts hören“ einen ganz starken Song, der mich an “Schreie hinter Glas“ von Dritte Wahl erinnert.
Es gibt aber auch Hoffnung, woher...weiß ich nicht , weiß die Band nicht so genau, vielleicht, weil wir Menschen sind und Menschlichkeit in uns allen innewohnt? Hier ist das “Manifest“ zu nennen.
Die vierzehn Songs sind in mehr oder weniger dystopischen Sound gekleidet, der von den bereits angesprochenen Gitarrenwänden dominiert wird.
Es ist ein anderer Sound von ALARMSIGNAL, als der, den man bisher von der Band gewohnt war. Da muss man sich reinhören (wollen).
Textlich ist das Album aus meiner Sicht eines der besten, das die Band aus Celle je veröffentlicht hat. Anspruchsvolle Texte in bildlicher und persönlicher Sprache. Auch hier ist eine gewisse Nähe zu Fahnenflucht erkennbar.
Ja, was ist nun zu diesem Album zu sagen?
Schwierig.
Auf der einen Seite eine Weiterentwicklung die sehr positiv ist und zeigt, dass man auch nach 25 Jahren noch was zu sagen hat. Die Lebenserfahrung hat aber auch gezeigt, dass vieles nicht besser geworden ist. Vielleicht ist eine gewisse Resignation aus der Wut geworden, die die Band damals herausgeschrien hat?!
Was für mich auf die negative Waagschale kommt, ist der Sound, der mir nicht mehr ganz so anspricht, das ist natürlich Geschmackssache und von mir ganz subjektiv eingeschätzt. Es kann auch sein, dass mir das Album ein Stück weit zu traurig ist, da trotz der hoffnungsvollen und kraftgebenden Lieder für mich immer ein dunkler Schatten bleibt.
Wie gesagt, rein subjektiv, nur aus meiner Sicht.
Wie das Album live präsentiert werden wird und wie die Band den Spagat zwischen alten und neuen Songs hinbekommt, lässt sich im April auf der kleinen Tour der Band erleben.
Einige Festivals sind auch schon gebucht.




