Lord Bishop Rocks – Tear Down The Empire

Review

Lord Bishop Rocks

Tear Down The Empire

Genre
CD
Label
Tonzonen Records/Soulfood Music/ Believe
Datum
20.03.2024
Autor
King Kraut
9 /10
Geiler Typ, wie konnte der so lange unter meinem Radar fliegen?
Über 30 Jahre rockt LORD BISHOP schon, war unterwegs mit Superstars der harten Stromgitarren und ist auch äußerlich ein Hingucker. Ein riesiger black Dude aus New York, der Rock-Klischees von verrauchten Kaschemmen und Okkultem mit Multikulti kombiniert. Das kann eigentlich nur eine gute Party werden, und die Musik steht der Optik in nichts nach.

Die zwölf Tracks auf "Tear Down The Empire" sind ein gekonntes Destillat aus allem, was die bluesige Rockmusik im letzten Jahrtausend hervorgebracht hat. Diese Band atmet diese Musik - wahrscheinlich könnte man sie mit einer Zeitmaschine wahlweise nach Woodstock '69, ins Seattle der frühen 90er oder irgendwo dazwischen schicken, und sie würden perfekt die Musiklandschaft ergänzen. Ich fühle mich ein Bisschen daran erinnert, als ich das erste mal TURBONEGRO hörte und ständig das Gefühl hatte, einen Song wiederzuerkennen, denn genau so wie die Norweger kennen LORD BISHOP ROCKS ihre Wurzeln und spielen damit, dass sie den Hörer mit Andeutungen auf Musik, die sie inspirierte, verzücken. Kann das passieren, dass man in einem Album SOUNDGARDEN (Zitat aus "Blow up the Outside World"), THE CLASH und dann gleich noch im selben Song The TURTLES mitschwingen hört? Ja, durchaus. Für den Grunge-Sound sorgt u.a. der Nirvana-Produzent Jack Endino, und so wie diese Generation von Rockern haben unsere Protagonisten auf diesem Album die Musik aufs Wesentliche heruntergekocht: Ein harter Beat, dicke Gitarrenriffs, aber auch schlichte Melodie voller Schönheit und Sehnsucht. Weiblicher Backgroundgesang gibt dem Ganzen noch einen Soul-Einschlag an der richtigen Stelle, und als letztes Lied gibt es noch ein Abschiedslied für David Bowie.

LORD BISHOP ROCKS erfinden nichts Neues (was, zugegeben, in diesem Gerne inzwischen sensationell schwierig wäre). Sie stehen auf den Schultern von Riesen und machen ihre Sache wirklich gut. Das ganze Album ist abwechslungsreich, weil einfach sehr viel drin steckt, und trotzdem hat man nicht das Gefühl, es bei jedem Song mit einer anderen Band zu tun zu haben. Nein, das ist der Herr Bischof, der mit seiner kraftvollen Stimme das Feeling einer Zeit aufleben lässt, die inzwischen weit zurück liegt und trotzdem noch musikalisch reinknallt wie ein Saufabend mit Little Richard. Eine Sehnsucht nach Freiheit, nach Aufbruch, einer Welt, in der die gesellschaftlichen Grenzen zwischen den Menschen von einem verzerrten Akkord weggewischt werden können.

Kauft die Platte, und wenn LORD BISHOP ROCKS in Eurer nähe spielt, geht hin - ich werde das auf jeden Fall tun.

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