
Es gab Plattenbauten, riesige Chemiekombinate, verseuchte Luft, tristes Einheitsgrau und die Losung, dass dieser Standort für die Wirtschaft in der Deutschen Demokratischen Republik eine Speerspitze für den sozialistischen Wohlstand war. Verschwiegen wurde die Luft- und Umweltverschmutzung, die nach der Wende viele Jahre aufwendig versucht wurde zu neutralisieren. Viele Millionen sind dort für eine saubere Luft und eine saubere Umwelt investiert worden. Zu retten waren die Chemiekombinate nach der Wende nicht mehr. Zu marode, zu alt und zu uneffektiv waren die Maschinen. Tausende Menschen wurden arbeits- und oft auch hoffnungslos.
AUSSCHLAG waren drei, vier Jahre vor der Wende eine Band aus drei wütenden Jugendlichen die in den dunklen, kalten Kellern der Stadt Bitterfeld ihren Hass auf das Hamsterrad der DDR herausschrieen. Die Aufnahmen galten lange als verschollen. Aus den drei Jugendlichen sind mittlerweile Männer geworden die mit der Wut von früher nicht mehr viel zu tun haben wollen. Die drei Bandmitglieder sind in Bitterfeld so gut wie unbekannt. Kein Punk kennt sie, kein normaler Mensch. Sie sind irgendwo….
Wie es die Wirren der Wende und glückliche Zufälle wollten, wurden die Aufnahmen der Band doch noch gefunden. Die Aufnahmen, seinerzeit mit primitiver weil kaum vorhandener Aufnahmetechnik auf schlechte Kassetten aufgenommen, mehrmals überspielt, waren zu räudig um diese noch jemandem zuzutrauen. Nach einer liebevollen und aufwendigen digitalen Bearbeitung, zu Neudeutsch: Remastering, sind die Aufnahmen jetzt wieder hörbar und dem Berliner DIY - Kleinstlabel Ostklotz sei Dank, auch wieder zu hören.
Die elf Songs bestechen noch nach so langer Zeit durch ihre Wut und Verzweiflung, die jede Sekunde zu hören ist. Ein wirklich wütender, keifender Sänger bringt mit seinen beiden Kumpels Songs hervor, die keinen Vergleich mit ostdeutschen und westdeutschen Deutschpunkbands der ersten und zweiten Stunde scheuen müssen.
Die Wut auf das System steht musikalischem Können vor.
Titel wie “Kack Zukunft“, “Brenn Bitterfeld“ und “Hausverbot im Konsum“ bringen die verzweifelte Wut zur Geltung, die die drei Jugendlichen gehabt haben müssen.
Die bearbeitete Version der Nationalhymne der deutschen Demokratischen Republik ist staatsfeindliche Hetze in höchster Vollendung. Dafür hätte es jahrelang Knast gegeben.
Punks galten in der DDR als Staatsfeinde. Menschen die nicht im Hamsterrad leben wollten, galten als Systemfeinde. Jeder der dagegen war, jede Individualität wurde vom Staat in Form von Stasi, Blockwart und Volkspolizei im Keim erstickt. Dagegen offen zu rebellieren war kaum möglich und selbst in Kellern schwierig, denn wenn nur einmal ein Linientreuer was mitbekam und das weitererzählte, stand der Staat vor der Tür. Im besten Fall wurde man nur verhört, im schlechtesten Fall ging es in den Stasi-Knast. Ein Bild was wir uns heute kaum noch vorstellen können.
In dieser Zeit so etwas wie “Wer hat all das Gift bestellt?“ aufzunehmen war sehr gefährlich.
Vielleicht sind genau deshalb diese Aufnahmen so authentisch, ja ein Stück Geschichte.
Ein Stück DDR-Punkgeschichte!!
Auf der Homepage des DIY-Label Ostklotz kann man die Aufnahmen kostenfrei anhören und sogar kostenfrei herunterladen.
Ein Muss!!


