Grillmaster Flash – Andere Leude my Ass

Review

Grillmaster Flash

Andere Leude my Ass

Genre
CD
Label
Speck Flag / Broken Silence
Datum
03.03.2016
Autor
King Kraut
9 /10
Was ist schon Rock 'n' Roll? Das hier nicht. Oder doch? Jedenfalls wird gleich im Opener klargestellt, dass der Meister den Anforderungen der „Musik des Teufels“ nicht genügt. Uncooler Normalo als Markenzeichen, und doch zeigt er im Lauf eines Albums, dass er genauso wie seine Band THE JUNGS die besten Tricks des Genres im Schlaf beherrscht. Und gleich zu Beginn eine „Big Lebowski“-Anspielung – Da hast du mich.

Weil Sympathie natürlich nicht reicht, was haben wir hier? Poppigen Rock aus Bremen, der kaum einen Verdacht auf Ernsthaftigkeit aufkommen lässt. Das hier ist zum größten Teil lustig, satirisch, manchmal albern. Komisches zu schreiben ist mindestens genauso schwierig wie etwas durch und durch ernstes – so gesehen ist die Trefferquote hier hoch. Ja, mal werden Klischees strapaziert, mal billige Reime recycelt. Aber keine gezwungene Witzigkeit auf Teufel komm‘ raus. Hinter all der Schlichtheit versteckt sich an manchen Stellen ein Genius, das mich an die wirre Absurdität von Knochenfabrik erinnert. Das gar einen Umschwung von Spaß nach Tiefsinn und zurück zu Leichtigkeit und Lebensfreude schafft, ehe man es richtig bemerkt. Beeindruckend.

Der Gesang und Text nehmen eine zentrale Rolle ein, aber auf den zweiten Blick dient er, so wie die Instrumente, dem Song. Das hier ist kein Liedermacher, der die Gitarren nur als Alibi für seine Gedichte nutzt. Kein Song ist wie der andere, jeder Move sitzt. Jeder weiß, was er wann zu tun hat, um das Gesamtbild zu vervollständigen, und dieses macht einfach gewaltig Freude.

Massentauglich ist der Meister nicht. Dafür ist sein Humor zu speziell, die Stärken zu sehr unter einer gefälligen Oberfläche versteckt. Das Paket nicht plakativ genug, um den Hörer sofort anzuspringen. Macht nichts. Für mich definitiv ein absoluter Lichtblick in der oft zu einfallslosen deutschsprachigen Musikszene mit Ihren verklausulierten Diskurspunkern, Songwritern mit ausgenudelten Maschen und stupiden Deutschrockern. Da kegeln Grillmaster Flash und seine Mannen allein schon mit dem irren Song „Irrtum vom Weihnachtsmann“ alle Mitbewerber aus dem Ring. Nicht nur Knüller, auch einzelne Füller finden sich unter den Tracks, weshalb es noch ein Bisschen Luft bis zur vollen Punktzahl gibt. Da kann ich nur hoffen, dass das nächste Album kommt, um auch diese Herausforderung zu grillmeistern.

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