
Zum Beispiel dieser ernsthaft angepisste Gesang in „Not 23 Anymore“. Uff. Als wollte die Sängerin mir gleich die Fresse einhauen! So geht Punk, Ihr Metal-Emos, und nicht mit einer aufgesetzten Böseböse-Attitüde! Wobei der Song sich nach 53maligem (sic!) Durchhören eigentlich als ein recht dynamisches Stück herausstellt. Einmal die Vordertür mit voller Wucht eintreten, und dann kann auch mal ein harmonischer Teil hinterhergeschoben werden, ohne dass der Song lasch wird. Das kann auch nicht jede Band.
Bei den ohnehin schon pop-punkigen Stücken hätte ich mir hingegen dann und wann einen Tacken mehr Tempo gewünscht. Das ist mein Fluch als Skatepunk-Kind. Exkurs: Meine Tante hatte einen Kassettenrekorder mit Geschwindigkeitsregler. Als ich mal als Punkrock-Kiddie im Urlaub bei Ihr war, habe ich SOCIAL DISTORTION endlich in der richtigen Geschwindigkeit genossen. Holla! Im Ernst, die einzige Punk-Mucke, die von Langsamkeit profitiert, war meine ausgeleierte SEX PISTOLS-Kassette, die derartig eiernd extra asozial klang.
Zurück zum eigentlichen Thema. „Cities Away” ist eine kleine Schummelei, weil das Album nach absolutem Minimalsound der rauen Gangart aussieht. In Wirklichkeit sind die Musikerinnen keineswegs nur zu zweit, sondern haben nebst Gitarre und Drums noch einen wunderbar brummenden Bass oder Tasten am Start. Die Stücke sind oft auf hinterhältige Weise poppig, wodurch sie ewig im Ohr hängen bleiben. Und somit ist diese Platte wesentlich haltbarer, als es ein reiner LoFi-Wutanfall wäre. Viel Potential und ein guter Erstling, bei dem es sich das Reinhören lohnt.



